Durch einen Twitterpost von Cassio und heutiger Zwangswarterei im Supermarkt vor einer halben Stunde, wurde ich an meinen Plan zur landesweiten Einführung einer ü60-Kasse erinnert.
Der Hintergrund
Auch alte Menschen wollen einkaufen. Dies stellt ja im Grunde kein weiteres Problem dar; man schlängelt sich an ihnen vorbei, streckt den Arm zwischen ihre Beine um an eine Getränkekiste zu gelangen, weil sie stundenlang preisevergleichend vor dem Weinbrandangebot der oberen Regalreihen stehen und verzichtet auch mal auf eine Obstsorte, wenn sie einem den Zugriff darauf verwehren indem sie, mit ausladender Gestik, versuchen den endgültigen Unterscheid zwischen Mandarine und Clementine zu klären.
Kritisch wird es nur, wenn alte Menschen auf die Idee kommen ihre Supermarktfundstücke auch zu bezahlen.
Lederpportemonnaies werden bis in den letzen Winkel nach Geldstücken durchsucht, wobei das Ziel fest steht: die Schuld von 19,92 Euro wird auch mit 19,92 Euro beglichen. Keine Kompromisse.
Dem, mit Treuepunkten und Paybackkarten gepolsterten, Portemonnaie einen Zwanzigeuroschein zu entreißen wäre hier wohl der völlig falsche Ansatz. Dann hätte man ja wieder 8 Cent Kleingeld und morgen wird ja schließlich auch eingekauft. Und dann? Wieder ein paar Cent mehr in der Geldbörse?
Doch jeder, der dem nervenaufreibenden Versuch einer solch lähmenden Transaktion durch einen älteren Mitbürger schon einmal beigewohnt hat weiß, dass der Plan des älteren Bezahlenden nie aufgehend wird. Auf dem letzten Streckenabschnitt stellt die einkaufende Großmutter fest, dass das Fehlen von fünf Cent den Plan der exakten Bezahlung scheitern lassen wird. Wehmütig und mit traurigem Blick wird der Zwanziger gezogen. Und jetzt her mit den Edekaglücksschweinchenaufklebern!
Nun, an dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich nichts gegen alte Menschen habe (und das nicht nur, weil ich unter Umständen auch einer werde). Ich möchte nur fragen, ob in die Jahre gekommene Menschen die regulären Supermarktkassen nutzen sollten.
Die ü60-Kasse – Vorteile für alle
Zuerst einmal muss man sich fragen: wie ist der eigentlich so, der alte Mensch?
Man wird schnell feststellen, dass alte Menschen per se gerne unter sich sind. Deshalb wohnen sie in Altersheimen mit anderen alten Menschen und treiben sich auf Friedhöfen herum, wo die meisten Besucher (in- und extern) auch alt sind.
Es wird also schnell ersichtlich, dass die Einführung einer ü60-Kasse, also einer extra eingerichteten Kasse + Warteschleife für Ältere, nicht aus einem egoistischen Antrieb junger, konsumfreudiger Menschen geschehen würde.
Alte Menschen hätten die Möglichkeit zur Kommunikation mit anderen alten Menschen und außerdem würde sich die Schnelligkeit und der Rhythmus des Kassenablaufes automatisch an den eigenen anpassen.
Während der Vorteil einer solchen Einführung für Menschen jenseits der 60 auf der Hand liegt, hätten sogar die Supermärkte einen großen Vorteil. Neben zufriedenen Kunden (Jung und Alt) könnten sie die Produkte in Kassennähe in der, für alte Menschen gesonderten, Warteschleife auf die neue Zielgruppe zuschneiden. Frühstücksportionen Underberg und ausschließlich Zigaretten der Marke Ernte23 statt Kaugummis und Süßigkeiten.
Natürlich soll die ü60-Kasse kein Zwang sein, sondern ein Angebot.
Jedenfalls in der ersten Testphase.
10 Kommentare




Guter Artikel, gute Idee, ABER im “Friedhofs-Absatz” hätte ich statt “(in- und extern)” lieber “(aktiv und passiv)” gelesen.
Fazit: 1-
ja. und außerdem wünschte ich kommasetzung zu beherrschen *-*
wann gehts los?
ich mag die idee.
Zu viel Text für deinen Blog—
Dafür!
yannik hat recht. ich hasse blogs mit viel text!
[...] »Die ü60-Supermarktkasse« bei pew-pew.org um 21:03 in Kategorie Netzwelt Keine Kommentare. Du kannst der erste [...]
Genial. Bin ebenfalls dafür.
Gestern habe ich aber genau das Gegenteil erlebt. Anstatt das zwei ü60 Damen ihren 6-Euro-und-paar- zerquetschte-Cent-Einkauf passend zahlen, zückten diese erstmal einen Hunderter. Die junge Kassiererin war damit natürlich total überfordert und hat auch prompt falsch gebongt. Das hieß dann auch wieder warten.
der ansatz ist sehr schön. auch deine ausführungen. ich hätte mir in deinem blog aber etwas mehr menschenverachtung erwartet.
hallohohoooo? weitermachen!111